Mit ganzheitlichem Blick.

Die Diskussion über das Energiesystem von morgen braucht vielfältige Perspektiven, sagt Gerald Kaendler, Leiter Asset Management bei Amprion. Das Projekt „Systemvision“ bringt die Sichtweisen vieler Stakeholder zusammen.

Gerald Kaendler, Leiter Asset Management bei Amprion

Das Projekt „Systemvision“ soll den Dialog über ein belastbares Zielbild der Energiewende ermöglichen. Wird gerade zu wenig über das Energiesystem von morgen diskutiert?

Keineswegs. Die Debatte über die Energieversorgung der Zukunft hat unglaublich viel Schwung. Oft wird die Diskussion dabei auf einzelne Sachverhalte und Lösungen begrenzt. Unser Ziel ist, dass der Austausch über unterschiedlichste Lösungswege und deren Interaktion intensiver wird. Ein Beispiel: Wasserstoff kann in vielen Anwendungen und auch als Langfristspeicher eingesetzt werden – und gleichzeitig hat man einen Effizienzverlust gegenüber rein elektrischen Anwendungen. Die Effizienz des elektrischen Systems, der Nutzen des Wasserstoffs für den Kunden und der Bedarf an Flexibilität müssen abgewogen und bestmöglich systemisch geplant werden.

Was wird aus Ihrer Sicht der wesentliche Baustein für das Energiesystem der Zukunft sein?

Strom wird im Mittelpunkt stehen, denn Stromanwendungen sind unglaublich effizient. Außerdem kann Strom in riesigen Mengen regenerativ erzeugt werden. Vor allem Wind- und Solarstrom sind jedoch wetterabhängig, und so benötigt das Energiesystem der Zukunft Flexibilität. Diese können andere Sektoren wie etwa Elektrofahrzeuge mit ihren Batterien und Gase wie Wasserstoff als Langfristspeicher wirtschaftlich erbringen. Wesentlich wird eine gute Kombination aller Elemente sein. Dieser ganzheitliche Blick ist eine der wichtigen Facetten des Projekts „Systemvision“.

Den Blick in die Zukunft wirft auch der Netzentwicklungsplan. Was unterscheidet die Systemvision von ihm?

Der Netzentwicklungsplan (NEP) beschäftigt sich mit konkreten Infrastrukturmaßnahmen – in einem Zeitraum bis Anfang der 2030er Jahre. Diesen Detailgrad verfolgen wir bei der Systemvision nicht. Und wir schauen im Projekt weiter in die Zukunft. Wir wollen langfristige Zielbilder für ein klimaneutrales Energiesystem entwickeln. Viele Stakeholder haben diesen Blick in den NEP-Konsultationen gefordert. Mit der Systemvision können wir unter Einbindung vieler Akteure mehrere Zielbilder für die Zukunft beschreiben. Im Dialog mit unseren Stakeholdern werden wir so Energieszenarien entwickeln, die in die konkrete Arbeit beispielsweise im NEP-Prozess einfließen können.

Die einzelnen Systemvisionen der Partner sind sehr unterschiedlich. Wird daraus ein gemeinsames Zielbild?

Unsere Partner zeigen eine große Bandbreite denkbarer Zielbilder auf – und sie erklären uns, was ihnen wichtig ist, damit wir es in unseren Modellen abbilden können. Sobald wir diese Visionen nebeneinander auf den Tisch legen, wird die sachliche Diskussion über sie automatisch beginnen. Wir werden nicht das eine Zielbild haben, aber Planung in Szenarien ist für uns üblich. Darauf folgt der Diskurs über den robusten Weg dorthin. Auf diese Diskussionen bin ich ganz besonders gespannt.

Mehr über das Projekt und die Modellierungen erfahren Sie hier.

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